Radio Proton
Neues aus der Plattenkiste und aus dem Netz: LANA DEL REY (Wdh.)

Sa 25. Februar 2012, 14.00 - 15.00:

 

 

 

"Egal wo auf der Welt Lana sich befindet, ihre Liebe zu Film Noir, italienischen Landschaften, großen Kirchen, Achterbahnen und der Hinterlassenschaft vergangener Stars wie Bette Davis, Kurt Cobain, Nina Simone und Elvis sind die Revue für ihre Musik, und ihre Liebe zu New York ist ihr Herzschlag."

 

So dick aufgetragen die einleitenden Zeilen auch sein mögen, so treffend sind sie zugleich. Denn Lana Del Rey taucht in der zweiten Hälfte des Jahres 2011 mit Trommelwirbel auf der youtube-Bühne auf: Ihre Single "Video Games" vereint in Ton und Bild ein riesiges Sammelsurium popkultureller Gesten. Das erklärte Ziel von Lana Del Rey dabei ist es, "das musikalische Äquivalent zu einem Vincent-Gallo-Film" zu sein – ein Wechseln der Facetten im Minuten-Takt sozusagen: Eben noch das kokette Not-give-a-fuck mit Zigarette im Mundwinkel, schon die schmollmundige Sex- und Modeikone à la Brigitte Bardot. Hier schwelgerischer 50s/60s-Vintagepop im Moviestar-Look, dort jugendlicher "Hollywood Pop".

Wie nun aber beschreibt man die Musik einer Sängerin, die schon als Person – Stil, Wahrnehmung, Aussage – bereits so unterschiedliche Attribute aufweist? Lana Del Reys Musik ist Genre-mäßig ist nicht leicht einzuteilen. Aber – muss man das auch? Zweifellos: Dass die Senkrechtstarterin aus ihrer Vorliebe zum amerikanischen Dirty-Rock'n'Roll-Traum aus den 50ern mit Botox-Reminiszenzen und youtube-Optik aus dem Hier und Heute keinen Hehl macht und – so scheint es zumindest – aus dem lieblich-Röckchen-tragenden-Hausfrauen-Idyll längst vergangener US-Städte, sprich als die Welt ja noch in Ordnung war, einen neuen Ikonen-Status aufbauen will....steht auch hierbei außer Frage.

 

Dennoch ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Songs auf dem Debutalbum „BORN TO DIE“ nicht nur einen elektronisch-kühl angehauchten Flair der 50er versprühen, sondern in Kombination mit den Texten auch einen leicht verrohten, abgeklärten und ja, teilweise auch „abgestumften“, Eindruck hinterlassen. Man nimmt es der 25jährigen Sängerin zumindest in ihren Liedern ab, dass auch sie schon mit verlaufener Schminke verkatert in der Badewanne eines versifften Highway-Motels aufgewacht ist – eben geboren, um zu sterben. Der einzige Unterschied zu dem, das geben wir an dieser Stelle ohne weiteres zu und ist auch beabsichtigt, Klischee behafteten Bild: Lana Del Rey macht sich nach diesem Erlebnis - die Erinnerungen an die letzte Nacht sind weit entfernt, wie im Rausch unklar verschwommen - nicht nur frisch, sie lässt das Vorzeige-Hausfrauen-Röckchen so zerschlissen wie es ist, sucht den Schlüssel ihres Muscle-Cars – und stülpt sich den goldenen Schlagring wieder über, der noch tief in der heftig blutenden Wunde ihres Opfers steckt. Wo der Musik-Clip von Prodigys „Smack my Bitch up“ begonnen hat – macht Lana Del Rey mit waidwund-verklärtem Blick weiter. Das Ende bleibt offen...

 

Will meinen: Die oftmals lieblich anmutenden Songs von Lana Del Rey können eine gewisse Brutalität dem Leben an sich gegenüber nicht von der Hand weisen – wobei die düstere Elektronik in manchen Songs sehr gut mit der Dirty Rock'n'Roll-Attitüde der Sängerin harmoniert. Hätte Elvis den Dark Room gekannt – er hätte seine Balladen dort geschrieben.

 

 

Wir hingegen verlassen nun das "Dark Paradise" der Anti-Lady Gaga aus dem Big Apple und führen euch musikalisch hinein in das Universum von Frau Lizzy Grant – so übrigens der bürgerliche Name der „Gangsta Nancy Sinatra“. Wollen wirs glauben? Selbst reinhören – Film ab! „cinematic dark pop“ as its best!!

 

 

 

 

Bild: Album Cover Lana Del Rey - "Born To Die"